Mehrgenerationenfamilie sitzt an einem Tisch

Fluchtmigration und psychische Gesundheit der Menschen im Gastland

Deutschland hat seit den 1990er Jahren zwei große Fluchtmigrationswellen erlebt, ausgelöst durch kriegerische Konflikte und humanitäre Krisen (1991–1993 und 2015–2016). Mit dem Zuzug vieler Asylsuchender nahmen gesellschaftliche Debatten zu, und kritische Einstellungen gegenüber Migration rückten stärker in den Fokus von Medien und Öffentlichkeit.

Welche psychologischen Folgen hat diese öffentliche Präsenz des Themas? Können negative Einstellungen gegenüber Asylsuchenden als Stressoren wirken und die psychische Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigen? Einige Menschen berichten etwa von Sorgen um ihre wirtschaftliche Situation, Ängsten vor Jobverlust oder kulturellen Veränderungen.

Auf den ersten Blick scheint ein solcher Zusammenhang naheliegend. Um jedoch die direkten psychologischen Folgen zu messen, untersuchten Forschende die mentale Gesundheit der Menschen in Bezug auf die geografische Nähe zu Asylsuchenden am Wohnort. Die Analyse basiert auf einer Kombination aus Umfragedaten, geografischen Informationen auf Kreisebene und Gesundheitsdaten von Krankenkassen.

Das Ergebnis: Es finden sich bislang keine Hinweise darauf, dass sich die mentale Gesundheit der Bevölkerung durch die Nähe zu Asylsuchenden verändert. Die verstärkte Fluchtmigration löst demnach keine psychologischen Verschlechterungen im Gastland aus.

Weitere Informationen

Bharadwaj, Prashant, Daniel Graeber, Stephanie Khoury, Christian P.R. Schmid: Asylum seekers and host country mental health: Evidence from Germany and Switzerland,
Journal of Development Economics, 178 (2026).